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Tarifa

In den vergangenen Wochen haben sich in meinem Leben riesige Veränderungen ergeben, die so ziemlich alles auf den Kopf gestellt haben – privat wie beruflich. Daher bin ich über Ostern erst einmal ein paar Tage ins Ausland geflüchtet, um zu versuchen, einen halbwegs klaren Kopf zu bekommen. Ziel war Andalusien, genauer gesagt Tarifa, der südlichste Zipfel des europäischen Festlandes.
Ein wunderschönes Fleckchen Erde, riesige Sandstrände, schroffe Felsbuchten, hohe Sanddünen, antike Ausgrabungen, quirliges Nachtleben, eine sehr pittoreske kleine Altstadt – und verdammt viel Wind! Das war auch mit ein Grund, warum ich nach Südspanien wollte. Endlich mal wieder windsurfen, meine dort lebende Familie besuchen und mal wieder freie Landschaftsfotos machen…
Hier sind ein paar Beispiele:
Teilweise hatten wir unglaublich viel Wind, was das Fotografieren zu einer echten Herausforderung machte. Wenn so viel Sand, Staub und Wasser in der Luft ist, sollte man sehr gut auf sein Equipment achten. Nicht ganz abgedichtete Kameras kann man mit mehreren Streifen Tesafilm über dem Auslöser und weiteren Knöpfen und Rädchen etwas vor eindringender Nässe oder Staub schützen. Ein Objektivwechsel an freier Luft sollte verständlicherweise auch tunlichst vermieden werden. Ein klares UV-Filter schützt die Frontlinse des Objektivs vor Flugsand und Spritzwasser. 
Bei solchen Bedingungen bestimmt nicht nur die Lichtrichtung den Aufnahmewinkel, sondern auch die Windrichtung! Ein wenig zu weit in den Wind gedreht und das Objektiv wird Sand gestrahlt… Besser den Wind im Rücken behalten.
Oder man findet eine Stelle, wo durch Hindernisse im Vordergrund der Flugsand etwas verringert wird. Hier ist nur ein kurzes Stück Sand in Luv, welches noch durch die Bretterzäune unterbrochen ist, was Flugsand praktisch ganz verhindert.
Wenn so viel Wind das Meer aufpeitscht, kann man auch sehr schöne Langzeitbelichtungen machen. Allerdings stellt das oft recht große Herausforderungen an das Stativ – der starke Wind führt selbst bei stabilen Stativen und -köpfen leicht zu Schwingungen, welche auf dem Bild als Verwacklungen erscheinen. Auch hier ist es also ratsam, sich nach einem halbwegs geschützten Plätzchen umzusehen, um das Stativ zu positionieren.
Eine Sonnenaufgangssession hatte sich leider mal wieder als Flop entpuppt. Die Wolken waren so dicht, dass kein einziger direkter Sonnenstrahl am Horizont durchkam. Da ist man extra eine knappe Stunde vor Sonnenaufgang an der Location, nur um zu sehen, dass es kein gutes Licht geben und man die geplanten Aufnahmen nicht in den Kasten bekommen wird.
Aber anstatt unverrichteter Dinge wieder einzupacken, kann man auch auf neue Motivsuche gehen. Denn Detailansichten lassen sich auch hervorragend bei bedecktem Himmel, also sehr diffusem Licht fotografieren. Direktes, hartes Sonnenlicht würde die vielen sanften Tonwerte nicht reproduzieren können. Wenn die Lichtsituation also kein schönes Licht für große Landschaften hergibt, dann geht also auf Detailsuche!
Etwas später bekamen wir hier und da doch noch ein klein wenig gerichteteres Licht, wodurch wieder etwas größere Ansichten machbar waren. 
Und ganz am Schluss, als die Sonne eigentlich schon wieder zu hoch war, riss der Himmel dann doch noch für wenige Sekunden mal wieder auf. Da war es aber schon zu spät. Also packte ich meinen Kram wieder zusammen und bin recht ausgekühlt zu meinem ersten Kaffee und zum Frühstücksbuffet gefahren. Fotografisch kein wirklich zufriedenstellender Morgen, aber wenn besser als im verregneten Deutschland in einer S-Bahn sitzend in irgendein Büro zu fahren… Daher liebe ich nach wie vor meinen Job und die Fotografie. Sie bringt mich immer wieder raus in die Natur, zwingt mich, zu eigentlich unmenschlichen Uhrzeiten an die schönsten Fleckchen der Erde zu fahren – was will man eigentlich mehr…
Weitere Bilder des Tarifa-Kurztripps, sowie die zwei Galerien von Istanbul und Schottland findet ihr auf meiner Travel-Seite.

- Martin -