LZB ohne Stativ?

Langzeitbelichtungen ohne Filter und Stativ?

Vielleicht kennt ihr das auch: Auf Reisen hüpft man nur schnell aus dem Auto oder beschließt, für einen Spaziergang doch nur die Kamera ohne viel Zubehör mitzunehmen. Doch genau dann – und in solchen Situationen praktisch immer – findet man ein Fleckchen mit einem tollen Wasserfall oder einem schönen Brunnen, das sich hervorragend für eine längere Belichtungszeit eignen würde, damit das Wasser wattig weich wiedergegeben wird. Bloß liegen das Stativ sowie alle Filter leider sicher verwahrt im Kofferraum…

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Diese Aufnahmen wurde bei hellen Tageslicht und ohne Filter aufgenommen – wie funktioniert das ohne ND-Filter?

Bisher half da alles Experimentieren mit Kamera auflegen, Blende ganz schließen und auf eine Wolke hoffen nichts, um den gewünschten Watte-Effekt zu erzielen. Inzwischen bin ich aber über eine Funktion in Photoshop gestolpert, die hier Abhilfe schafft!

Aber wie funktioniert das?

1. Die Aufnahme
Anstatt nur eine einzige Aufnahme eures Motivs zu schießen, drückt ihr mehrfach ab. Je mehr Bilder ihr macht, desto stärker das Ergebnis. Bei etwas schneller fließenden Gebirgsbächen habe ich aber schon gute Ergebnisse mit drei bis fünf Belichtungen erzielt. Am besten wäre natürlich, wenn ihr die Einzelaufnahmen vom Stativ aus fotografiert. Aber ihr könnt auch den Serienbildmodus eurer Kamera aktivieren und in schneller Reihenfolge aus der Hand mehrere Aufnahmen machen.
Idealerweise schießt dir die Einzelbilder im manuellen Modus, manuellem Fokus und bei festem Weißabgleich, damit die Aufnahmen keine Abweichungen in Helligkeit, Schärfentiefe und Farbe aufweisen (zur Not reicht aber auch eine Automatik).
Dabei ist es egal, ob das Wasser nun verschwommen weich oder jeder Spritzer scharf eingefroren erscheint. Wichtig ist nur, dass jede Einzelaufnahme nicht verwackelt ist.

2. Die Weiterverarbeitung
Wie ihr die Bilder bearbeitet, bleibt gänzlich euch überlassen. Nur eines ist wichtig: Alle Einzelaufnahmen sollten GLEICH bearbeitet werden! Am einfachsten geht dies über Lightroom oder CameraRaw von Photoshop, bei denen ihr einfach alle Bilder markiert und die Einstellungen des bearbeiteten Bildes durch „Synchronisieren“ auf die anderen Bilder übertragt. Nun geht’s ans Eingemachte: Öffnet die Einzelaufnahmen in Photoshop und legt diese als Ebenen übereinander. Schnell und einfach geht dies direkt aus Lightroom, indem ihr die gewünschten Bilder markiert und über einen Rechtsklick die Option „Bearbeiten in – In Photoshop als Ebenen öffnen…“ wählt.
Um sicher zu stellen, dass die Ebenen auch so passgenau wie möglich ausgerichtet sind, markiert ihr sie alle in der Ebenenpalette mit gedrückter Umschalt-Taste und wählt „Bearbeiten – Ebenen automatisch ausrichten“. Nun müssen diese Ebenen zu einem Smartobjekt zusammen gefasst werden. Dafür ruft ihr über einen erneuten Rechtsklick in der Ebenenpalette das Kontextmenü auf und wählt dort „In Smartobjekt konvertieren“. Jetzt seht ihr nur noch eine einzige Ebene, die durch ein kleines Icon über der Ebenenvorschau als Smartobjekt gekennzeichnet ist. Und jetzt seht ihr – noch gar keine Veränderung. Keine Sorge, denn als letzten Schritt müsst ihr die einzelnen Ebenen des Smartobjektes noch miteinander verrechnen. Geht dafür unter „Ebene – Smartobjekte – Stapelmodus“ und wählt dort den Modus „Arithmetisches Mittel“. Und Voilà – das Wasser erscheint nun wattig weich!

Im folgenden Beispiel seht ihr drei Einzelaufnahmen sowie das wie oben beschrieben verrechnete Smartobjekt:

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Man sieht deutlich, dass das Wasser viel weicher wirkt und auch die Wolken mehr Dynamik zeigen, als dies bei den 1/4s langen Einzelbelichtungen der Fall war!

Alles in allem also keine echte Langzeitbelichtung, aber im Notfall ein wirklich gangbarer Weg, einen ähnlichen Effekt zu erzielen! Probiert’s mal aus!

- Martin -


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