Canon EOS 6D

Canon EOS 6D – Erfahrungsbericht

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Bis vor kurzem habe ich – das digitale Zeitalter betrachtet – mit Kameradinosauriern gearbeitet. Meine Hauptkamera war eine Canon EOS 5D (mk1) und mein Backup war eine alte Canon EOS 1Ds (mk1). Gute, solide Kameras ohne viel Schnickschnack, die genau das taten, was sie sollten. Für die meisten meiner Aufträge waren die 12MP völlig ausreichend und wenn ich mal benötigte, konnte ich mir eine entsprechende Kamera mieten.

Aber alles geht nunmal zu Ende und meine Backup-Kamera hat sich nun endgültig ins Kameranirvana verabschiedet. Somit musste eine neue her. Nach langem Überlegen bin ich nun zur Canon EOS 6D gewechselt, wodurch die 5D nun mein Backup geworden ist. Die derzeitige Kameraentwicklung bei Canon finde ich zwar ganz und gar nicht gut und ich finde, die aktuellen Sensoren von Nikon und vor allem Fuji spielen in einer ganz anderen Liga, aber ein kompletter Systemwechsel kam einfach nicht in Frage – dafür hängt inzwischen zu viel Kameraperipherie dran. Daher bin ich mit etwas gemischten Gefühlen an die 6D gegangen, die sich bisher zum Glück nicht bestätigt haben.

Allerdings möchte ich hier nicht irgendwelche Pixelzahlen aufzählen und welche Menüfunktionen die 6D jetzt neu hat etc. Ich möchte euch einfach vorstellen, wie ich meine neue Kamera ausgetestet habe, was für mich wichtig ist und welche positiven oder negativen Neuerungen ich dabei feststellen konnte.

Kamerakalibrierung:

Zunächst wollte ich wissen, wie die Kamera belichtet. Dabei stellte sich heraus – genau wie bei meiner alten 5D übrigens – dass die Kamera um 2/3 Blende zu dunkel belichtet. Ich muss also ISO 160 einstellen, wenn mein Belichtungsmesser mir eine Belichtung für ISO 100 anzeigt. Allerdings muss ich hier etwas ausholen: Wenn ich mich an mittlerem Grau orientiere, passt die Belichtung ziemlich genau. D.h. ISO 100 am Belichtungsmesser entspricht fast exakt ISO 100 an der Kamera. ABER: Auf die RAW’s wird folgende Kontrastkurve angewandt:

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Links könnt ihr gut sehen, wie sich eure eigentlichen Tonwerte verhalten, wenn ihr so belichtet, wie euer Belichtungsmesser euch dies vorgibt. Nur in etwa die Mitten und die mittleren Lichter stimmen überein. Die Schatten werden durch die Bank weg zu dunkel wiedergegeben und wir haben in den Lichtern eine ganz komische Kontrastkurve. Wähle ich an der Kamera jedoch eine Belichtung, die um 2/3 Blendenstufe heller ist, als die, die mir der Belichtungsmesser vorgibt, liegen meine Lichter zwar aufgehellt, jedoch im noch immer durchzeichneten Bereich, die Mitten sind heller und die Schatten sind nur leicht abgedunkelt. Wenn man so korrekt belichtet, hält man sich viel weiter in den hellen Bildtönen auf, kann das Bild im Nachhinein noch abdunkeln, und erhält eine weitaus bessere Tonwertvielfalt ohne viel Bildrauschen. Schlussfolgerung: Wenn der Beli ISO 100 sagt, die Kamera auf ISO 160 korrigieren.

Maximaler Belichtungsumfang:

Neben der Kalibrierung der Kamera ist mir natürlich auch der maximale Belichtungsumfang BUmax wichtig. Den kann man zwar inzwischen bei DxO nachlesen, deren Angabe allerdings messtechnisch erfasst wird und meines Erachtens mit der täglichen Praxis nicht wirklich viel zu tun hat. Ich will nicht wissen, was ich softwarebasiert noch alles aus dem Sensor herausholen kann, sondern bei welchem Kontrast ich noch immer eine hohe Bildqualität habe, ohne in der Nachbearbeitung noch rumschrauben zu müssen. Für die 6D gibt DxO einen Belichtungsumfang von 12,2 Blendenstufen an – nach meinem Test komme ich bei ISO 100 auf knappe neun (-5/+3 2/3). Das liegt in etwa zwischen einem Dia- und einem Farbnegativfilm, ist also immer noch völlig in Ordnung. Wie die auf 12,2 kommen, weiß ich wirklich nicht… Ich kann zwar in der Nachbearbeitung die Tiefen noch anheben, was natürlich auch starkes Rauschen mit sich bringt. Dieser Test müsste mit allen ISO-Einstellungen wiederholt werden, da der BUmax sich verringert, wenn man von der nativen Empfindlichkeit des Sensors (nach oben ODER unten) abweicht.

Histogramm:

Ebenfalls sehr wichtig für mich ist, dass ich die Belichtung einigermaßen verlässlich auf dem Kameradisplay kontrollieren kann. Dabei muss man im Hinterkopf behalten, dass das Histogramm sich immer auf das JPEG bezieht und nicht auf das RAW. Somit kann – je nach gewähltem Bildstil – das Histogramm enorm vom eigentlichen RAW abweichen! Abgesehen vom Bildstil kann ein JPEG nur 8 Bit wiedergeben, wohingegen das RAW der 6D mit 14 Bit Farbtiefe aufzeichnet. Das bedeutet, dass das JPEG nur 256 Helligkeitsstufen, das RAW hingegeben 16384 Tonwerte wiedergeben kann – das spiegelt sich natürlich extrem im maximalen Belichtungsumfang und somit auch im Histogramm wieder! Um nun also eine recht verlässliche Rückmeldung über das Histogramm zu erhalten, entschied ich mich für eine bestimmte JPEG-Einstellung, stellte aber die Aufnahme als RAW ein und fotografierte eine Belichtungsreihe mit jeweils 1/3 Blendenstufen Unterschied. Somit konnte ich vergleichen, wann mir die Kamera ein Ausbrennen der Lichter anzeigt und wann das RAW in Lightroom wirklich einen Detailverlust erleidet. Dabei kam heraus, dass ich nach dem ersten Ausfressen auf dem Display noch 1 1/3 Blendenstufen nach oben Luft habe. Ich kann also eine Blende heller fotografieren, als mir das Kameradisplay erlauben würde. Wie erwähnt ändert sich je nach Empfindlichkeit auch der maximale Belichtungsumfang, wodurch auch dieser Test mit jeder ISO-Einstellung wiederholt werden sollte.

Mit den oben genannten Tests, konnte ich also feststellen, was für einen Kontrast meine 6D wiedergeben kann, wie ich im Vergleich zu meinem Belichtungsmesser belichten muss und wie viel Spielraum ich noch habe, wenn die Kamera mir ein erstes Ausfressen der Lichter meldet. Damit habe ich nun die Belichtung also komplett im Griff.

Neben der Belichtung spielt für mich natürlich auch die Abbildungsleistung des Sensors, die Bildschärfe und das Rauschverhalten des Sensors eine wichtige Rolle. Die 6D bietet die Möglichkeit den Autofokus entweder generell oder auf jedes Objektiv separat bezogen zu justieren. Bis auf ein Objektiv war bei mir keinerlei Korrektur nötig. Lediglich mein Canon EF 85/1,8 musste um die maximal erlaubte Korrektur (-20) justiert werden! An meiner 5D sitzt der Fokus dieses Objektives spot on…

Förderliche Blende:

Über die Packungsdichte der Pixel auf dem Sensor lässt sich die förderliche Blende errechnen. Diese ergibt – ohne das jeweilige Objektiv mit einzubeziehen – die höchste Abbildungsleistung auf dem Sensor. Bei der Canon EOS 6D erreicht eine Arbeitsblende von 10,8 die höchste Abbildungsleistung.

Rauschverhalten:

Die EOS 6D bietet mit der ISO-Erweiterung einen Empfindlichkeitsbereich von ISO 50 bis ISO 102.400 an. Nach Testaufnahmen des gleichen Motivs, das aus hauptsächlich aus dunklen Bildbereichen bestand, bewertete ich am Rechner das Rauschverhalten jeder Einstellung. Das Ergebnis eines solchen Vergleichs ist immer subjektiv, abhängig von der gewünschten Ausgabegröße der Datei und der Helligkeit des Testmotivs. Für mich legte ich fest, dass ich von ISO 50 bis ISO 12.800 die Kamera gut nutzen kann, von 12.800 bis 25.600 erhalte ich eine grenzwertige Bildqualität, noch höhere ISO-Stufen würde ich keinem Kunden überreichen.

Die EOS 6D bietet im Canon-DSLR-Lager zwei Neuerungen: ein kamerainternes GPS- sowie ein WiFi-Modul. Beides war für mich definitiv nicht kaufentscheidend, jedoch testete ich diese Funktionen natürlich auch. Der GPS-Empfänger kann entweder die jeweiligen Koordinaten in das einzelne Bild schreiben oder die komplette Route in frei wählbaren Abständen als Route aufzeichnen. Beides kann über verschiedene Programme ausgelesen oder direkt in einer Karte markiert werden. Allerdings scheint der GPS-Empfänger nicht all zu stark zu sein, so dass man in Innenräumen oder engen Straßen nur sehr schlechten bis gar keinen Empfang bekommt. Ebenfalls muss man sich vor Augen halten, dass diese Funktion sich stark auf die Akkuleistung auswirkt. Ich werde das GPS-Modul nur aktivieren, wenn ich sicherstellen kann, dass ich jeden Abend die Kamera-Akkus laden kann.

Bisher war ich kein großer Fan von Tethered Shooting, d.h. vom kabelgebundenen Übertragen der Bilddaten noch während des Shootings. Ich mag generell keine Kabel an der Kamera, da ich gern sehr frei arbeite. Daher bildet die neue WiFi-Funktion eine interessante Alternative für mich. Noch gibt es allerdings keinen direkten Tethering Support von Lightroom zur 6D – die Kamera wird zwar erkannt, aber man kann sie noch nicht ansteuern. Über das von Canon mitgelieferte EOS Utility funktioniert es jedoch und mit einem kleinen Umweg also auch direkt in Lightroom. Die 6D muss zuerst mit dem WfT Pairing Tool (mitgeliefert) mit dem Computer verbunden werden und über das EOS Utility “Fernaufnahme” aktiviert werden. In den Einstellungen wählte ich einen Zielordner auf dem Rechner sowie dass nur JPEGs übertragen werden sollen (dazu gleich mehr). Diesen Zielordner lasse ich durch Lightroom überwachen, wodurch jedes neue Bild des Ordners automatisch importiert wird. Dies bedeutet, dass ich gleichzeitig JPEG und RAW an der Kamera aktiviere, auch wenn ich die JPEGs danach alle lösche. Diese dienen mir nur als Vorschau auf dem kalibrierten Monitor. Schön wäre es natürlich, wenn ich gleich die RAWs übertragen und auswerten könnte, aber diese brauchen sehr lange, bis sie per WLAN übertragen sind. Das ist für mich nicht praktikabel. Dafür müsste ich die Kamera über USB tethern und Kabel will ich eben nicht an der Kamera hängen haben. Aber zur Evaluierung der Ergebnisse ist die neue WiFi-Möglichkeit der 6D eine schöne Sache!

Ein letzter Punkt, der mir in der bisherigen Arbeit mit der Canon EOS 6D auffiel ist, dass sich die RAWs der 6er aus Lightroom heraus nicht als Smartobject in Photoshop (CS5) öffnen lassen. Inzwischen ist dies jedoch mein Arbeitsweg… Über den kleinen Umweg, die Dateien schon vor dem weiteren Bearbeiten in DNGs zu konvertieren, funktioniert es jedoch trotzdem. Sonst hatte ich immer erst am Schluss vor der Archivierung der Daten die Bilder in DNGs umgewandelt. Jetzt passiert der Schritt halt eben nach der Auswahl.

So, viele Infos zur 6D, vieles ist subjektiv und entspricht mit Sicherheit nicht allen Fotografen, ist nicht auf jede 6D und natürlich auch nicht auf jede 6D-Objektiv-Kombination zutreffend. Aber vielleicht hilft es euch ein wenig, euch eure eigenen Gedanken zu eurer Kamera zu machen!

- Martin -


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1 Kommentar auf “Canon EOS 6D – Erfahrungsbericht

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