Projektstart

Kürzlich hatte ich das erste Shooting für mein nächstes freies Projekt: Tattoos – Piercings – Körperkunst. Das Projekt soll über eine längere Zeit hinweg fortgeführt und unterschiedlichste Charaktere bzw. deren Körperschmuck ansprechend fotografiert werden. Dafür suche ich übrigens noch Modelle – bei Interesse schreibt mich doch bitte direkt an oder gebt meinen Kontakt weiter!

Modell für das erste Shooting war Chrisostomos. Bei unserem Vorgespräch stellte sich heraus, dass er über jahrelange Erfahrung in verschiedenen Kampfsporten verfügt und sich auch im tänzerischen Bereich betätigte. Somit war für mich die Inszenierung seiner beiden asiatischen Tätowierungen recht schnell klar: Es sollten athletische Posen aus dem Kampfsport eingenommen werden.

Das nächste war, eine passende Location zu finden. Eine Location, die nicht offensichtlich mit Asien zu tun hat – ein Dojo, der japanische Garten oder ähnliches kam für mich nicht in Frage. Chrisostomos sollte unter anderem vor einem beeindruckenden Wolkenhimmel fotografiert werden, wofür ein tiefer Kamerastandpunkt, sowie freie Sicht auf die dahinter liegende Landschaft nötig waren. Um die Wolkenformationen als Hintergrund mit einzubeziehen, müsste eine mittlere bis lange Telebrennweite verwendet werden müssen. Dies erfordert wiederum genügend Abstand zwischen mir und dem Modell, dass auch Ganzkörperaufnahmen gelingen würden. Eine solche Location fand ich auf der Hochburg bei Emmendingen.

Am Aufnahmetag war das Wetter eigentlich wie bestellt: Beeindruckende Wolkenformationen, die immer wieder von der Sonne durchbrochen wurden und den Blick auf strahlend blauen Himmel freigaben. Die Wolken waren teilweise so “beeindruckend”, dass wir die Rucksäcke mit dem Fotoequipment schon recht früh an einem regensicheren Platz lagerten… die einzigen paar Regentropfen, die vormittags fielen, machten uns aber nichts aus und wir konnten den ersten Teil des Shootings zügig über die Bühne bringen.

Damit der Wolkenhintergrund gut durchzeichnet wiedergegeben und das Hauptaugenmerk auf das tätowierte Modell gelenkt werden konnte, wollte ich den Himmel etwa eine Blende unterbelichten. Dies bei Sommersonne mit Systemblitzen über eine gewissen Distanz zu erreichen, ist nicht ganz einfach, was eine gute Planung im Vorfeld erforderte. Somit erhielt ich eine Belichtung von Blende 13 bei 1/160s und ISO 50.

Wie diese Werte zustande kamen? Mein Richtwert war meine kürzeste Blitzsynchronzeit. Mit meinen Funkauslösern und meiner Canon EOS 5D ist dies 1/160s. Nun ermittelte ich durch Ausprobieren die passende Blende, welche mir den Hintergrund mit der gewünschten Helligkeit wiedergab: Blende 16. Um den Hintergrund noch etwas abzudunkeln und nicht ganz so weit abblenden zu müssen, reduzierte ich die Empfindlichkeitseinstellung der Kamera von ISO 100 auf ISO 50, was mir eine ganze Blende schenkte und nun Blende 11 bei 1/160s und ISO 50 bedeutete. Meine Kameraeinstellungen waren gefunden. Jetzt musste nur noch die Blitzleistung diesen Werten angepasst werden.

Um die Blitzfolgezeiten etwas geringer zu halten, die Akkus der Blitze zu schonen und einen größeren Bereich ausleuchten zu können, koppelte ich drei Systemblitze mit gleicher Maximalleistung (Lz 50) und reduzierte deren Leistung um die Hälfte. Eine Testbelichtung zeigte, dass ich damit recht gut lag, mir das Modell jedoch ein wenig zu hell war. Um nicht noch einmal alle drei Blitze vom Galgenstativ nehmen zu müssen, blendete ich an der Kamera um eine weitere 1/3 Blende ab, wodurch der finale Belichtungswert mit k=13, 1/160s bei ISO 50 entstand. An der Kamera befand sich eine Festbrennweite mit 150mm/2.8 von Sigma.

Bei der nächsten Aufnahme blieben das Lichtsetup und die Belichtungswerte identisch. Einzig wurde der Aufnahmewinkel verändert, so dass die im Hintergrund liegende Landschaft sowie Teile der Burgruine mit ins Bild integriert werden konnten.

Die Landschaft sollte mit ins Bild, da Chris’ Pose nun einige schräge und geschwungene Gestaltungslinien beinhaltete – genau wie die Hügellandschaft hinter ihm.

Die Mauerreste auf der linken Seite hingegen sollten eine Art Gegner simulieren, da seine Pose nun mehr einen Gegenpol brauchen konnte.
Beim zweiten Setup änderten wir die Aufnahmerichtung, so dass die nun vermehrt scheinende Sonne das Hauptlicht bildete und wir die Blitze nun nur noch als Kantenlichter einsetzen. Dafür bestückte ich zwei Sigma DG-500er Systemblitze mit Funkauslösern und befestigte sie mit Schirmneigern auf zwei Lampenstativen.  Die Neiger kamen in eine 90°-Position, damit die rechteckige Leuchtfläche der Blitze nun horizontal stand und somit die Konturen unseres Modells besser ausleuchteten. Diese Blitze standen schräg hinter dem Modell mit einem Abstand von ca. 1,5m. Die hochfrontale Ausleuchtung Chrisostomos’ erfolgte durch die bereits hoch stehende Sonne.

Damit die Kantenlichter als solche wahrgenommen wurden, sollten sie 0,5 bis 1 Blende heller als das Hauptlicht (die Sonne) sein. Dafür zoomte ich die Blitzköpfe auf 50mm (bei dieser Entfernung genügte der Ausleuchtungswinkel) und beließ ihre Leistung auf 1/2. Eine Testbelichtung zeigte, dass wir bereits mit diesem Wert eine gute Differenzierung von Modell und Hintergrund erzielten und die künstliche Ausleuchtung sich gut in die natürliche eingliederte.

Ein solches Kantenlicht wollte ich eigentlich auch beim ersten Setup, welches dort allerdings die Sonne übernehmen sollte. Dafür hätte ich aber Blende 8 für die Hauptausleuchtung benötigt, was mir den Himmel zu hell wiedergegeben hätte. Daher musste ich eine Blende abblenden und erhielt somit ein Beleuchtungsverhältnis von Sonne zu Blitz von 1:1 – d.h. das Kantenlicht ist genauso hell wie das Hauptlicht und wird daher nicht wahrgenommen.

Bei den letzten beiden hier gezeigten Setups der Hochburg gingen wir einen ganz anderen Weg. In der nächsten Aufnahme wollte ich mehr Bewegung zeigen und bat Chris, mir einen gesprungenen Kick zu zeigen.  
Ein solcher Sprung erfordert jedoch eine sehr kurze Belichtungszeit, damit er auch wirklich scharf abgebildet wird – 1/160s bei Tageslicht ist dafür nicht ausreichend. Hier gabe es zwei Möglichkeiten: entweder alle meine Blitze koppeln, um somit eine Blende zu erreichen, die das Tageslicht komplett ausgeschaltet hätte oder den Weg der Highspeedsynchronisation zu gehen. Ich entschied mich für letzteres. 
Hierfür wechselte ich auf ein 35mm-Weitwinkelobjektiv und legte mich komplett flach auf den Boden, um eine möglichst tiefe Kameraposition zu erhalten. Ursel, die mir für dieses Shooting assistierte, hielt einen auf Stativ montierten Systemblitz ohne Lichtformer, welcher über ein E-TTL-Kabel mit meiner Kamera verbunden war. Der Blitz war auf Highspeedsynchronisation geschalten, allerdings im manuellen Modus! Dies ermöglichte mir die maximale Lichtabgabe einzustellen, so dass ich den Hintergrund stark abdunkeln konnte. Fotografiert wurde das Bild schließlich mit Blende 4 bei 1/1000s und ISO 50.
Die letzte Aufnahme auf der Hochburg sollte nochmals etwas ganz anderes sein. Kein offensichtliches Sportfoto. Eher etwas, bei dem sich der Betrachter Fragen stellt. Was ist das für ein Ort? Was geschieht hier? Was klettert das Modell? 
Dafür war eine weitaus düsterere Lichtstimmung von Nöten, als bei den vorherigen Aufnahmen. Auch sollte das Modell nun nicht mehr so groß abgebildet werden, damit verstärkt die Umgebung ihren Teil zur Stimmung beitragen konnte. 
 Dieses Mal griff ich wieder auf zwei Blitze zurück. Einer wurde auf einem Stativ auf dem Dach dieses Raumes platziert, so dass er senkrecht durch das Oberlicht feuern, den natürlichen Lichteinfall imitieren und verstärken konnte. Der zweite Blitz wurde mit einem Tubus mit Waabe bestückt und sollte nur den Rücken mit dem Tattoo ausleuchten.
Mit dieser Aufnahme hatte ich meine Konzepte für Aufnahmen on location abfotografiert und wir packten zusammen. Allerdings waren wir noch nicht fertig für den Tag – es sollten noch weitere Aufnahmen entstehen, dieses Mal allerdings in einer Studioatmosphäre.
Diese werdet ihr aber in einem der nächsten Blogbeiträge zu sehen bekommen!
Übrigens: Ihr könnt die Bilder wie bisher vergrößert ansehen, wenn ihr sie anklickt!
Bis dahin viel Spaß beim Fotografieren
- Martin –

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2 commenti su “Projektstart

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